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Die Bitte eines kleinen Jungen

Heute möchte ich euch die bewegende Geschichte eines kleinen Jungen erzählen, dessen Bitte Grosses in Bewegung gesetzt hat. Die Geschichte hat nichts mit dem Krieg in der Ukraine zu tun, und dennoch führt sie uns etwas unglaublich Wichtiges und Tröstliches vor Augen, was durchaus in unsere Situation passt.


Es war an Pfingsten 2021, als mich ein herzergreifendes Whatsapp-Video eines kleinen Jungen aus der Favela aus Luanda, Angola, erreichte. Es war ein 13 Sekunden langes Video und enthielt einen einzigen Satz, eine Bitte, um genau zu sein: «Guten Tag, ich bin Lucelio. Ich möchte wissen, ob Damaris einmal im Monat ein Video für die Kinder machen kann.» Diese eine Bitte traf mich mitten ins Herz. In meinem Kopf begann es sofort zu rattern und ich überlegte mir, wie ich die Bitte dieses Jungen erfüllen könnte. Und da kam mir eine Idee: Früher in Brasilien hatte ich den Strassenkindern immer biblische Geschichten erzählt. Ich könnte doch dasselbe für die Strassen- und Favelakinder in Angola tun! Ich könnte mich per Video aufnehmen, die Filme auf youtube stellen, und die Leiter unseres Partnerprojekts könnten die Geschichten dann den Kindern vorspielen. Und wenn die Kinder sich dann im Projekt versammeln, um sich eine biblische Geschichte anzuhören, könnten sie auch gleich noch ein paar Lieder singen. Dann wäre es ein volles Sonntagschulprogramm! 


„Das wäre grossartig!“, dachte ich und grübelte gleich darüber nach, wie man das mit den Liedern umsetzen könnte. Portugiesische Lieder, die ich damals mit den Strassenkindern in São Paulo gesungen hatte, kannte ich genug. Ich könnte sie ja in meinem Studio aufnehmen, so dass die Kinder sie lernen könnten, so dachte ich. Noch besser wäre es, sie hätten die Lieder ebenfalls auf Video. Vielleicht, so überlegte ich weiter, könnte ich ja einen Chor zusammenstellen, Leute, die die Lieder mit mir zusammen vor der Kamera einsingen und Bewegungen dazu machen. Doch wo nehme ich jetzt einen portugiesischen Chor her? In meinem Gehirn drehten sich die Zahnrädchen, bis mir der Gedanke kam: „Ich frage die Leute vom Heartbeat!“ Unsere Heartbeatler, die jungen Leute unserer Jugendgruppe, können zwar kein portugiesisch, aber sie pflegen eine herzliche Beziehung zu den Kindern in Angola. Einige haben Patenschaften übernommen. An Weihnachten schicken sie den Kindern jeweils persönliche Geschenke. Ein paar von ihnen waren sogar schon einmal in Angola und haben die Kinder vor Ort besucht. „Ja! Ich frag die Heartbeatler, ob sie mitmachen!“


Doch wo nehmen wir die Songs auf?, war die nächste Frage. Mein Studio war dafür zu eng. Und Gitarre spielen konnte ich auch nicht so richtig, um uns beim Singen zu begleiten. „Mein Cousin!“, schoss es mir da durch den Kopf. „Die Factory!“ Die Factory ist ein neu gegründeter Treffpunkt der Heilsarmee in Luzern, ein richtiges Bijoux mit einer künstlerisch wundervoll kreativ dekorierten Bühne. Und mein Cousin Andi Fuhrer leitet die Factory nicht nur, sondern spielt auch hervorragend Gitarre. Das ist es!, dachte ich, fragte ihn gleich an, ob er bei meinem ungewöhnlichen Projekt mitmachen würde, und er sagte zu. Die Heartbeatler sagten ebenfalls zu. Die Idee nahm langsam Gestalt an.


Im Herbst 2021 war es dann soweit. An zwei Samstagen trafen wir uns in der Factory in Luzern, um portugiesische Lieder für die Kinder in Angola zu singen. War das ein Spass! Keiner ausser mir kannte die Lieder. Keiner ausser mir und Bila konnte portugiesisch. Mein Cousin musste erst die Griffe lernen, und ich sang den Leuten die Lieder kurz vor, damit sie so tun konnten, als würden sie mitsingen und zeigte ihnen, was für Bewegungen sie dazu machen konnten. Einmal einüben, und los ging´s! Es war perfekt! Chaotisch, das pure Gegenteil von perfektionistisch und einfach absolut grossartig! Es machte unglaublich viel Spass, und wir hatten zum Schluss sage und schreibe elf portugiesische Lieder im Kasten! Ich war begeistert. Nun fehlte noch die erste Geschichte.


Da Weihnachten immer näher rückte, entschied ich mich, als erstes die Weihnachtsgeschichte zu erzählen. Um die Geschichte noch etwas schöner zu gestalten, holte ich die beweglichen Figuren meiner Mutter aus dem Keller, mit denen sie früher jeweils den Kindern in der Gemeinde biblische Geschichten erzählt hatte. Sie hatte die Figuren alle selbst gemacht und auch selbst eingekleidet. Für die drei Weisen aus dem Morgenland fehlten noch ein paar edle Mäntel und Hüte. Also bat sie eine gute Freundin von ihr, die Handarbeitslehrerin ist, um schöne Stoffresten und nähte daraus noch drei edle Königsmäntel. Ich stellte die einzelnen Weihnachtsszenen mit den Figuren nach, fotografierte sie und fügte die Bilder anschliessend ins Video ein. Fertig!


Jetzt war Bila am Zug, dessen Brüder das Projekt „Nova Chance Angola“ leiteten. Die Heartbeatler hatten wieder Weihnachtsgeschenke für die Kinder eingepackt. Mit den Geschenken im Gepäck und den Youtube-Links im Handy flog Bila nach Angola und überbrachte den Kindern das ungewöhnliche Weihnachtsgeschenk. Es gab ein grosses Fest, zu dem sage und schreibe etwa hundert Kinder kamen. Die Lieder hatten ein paar von ihnen extra vorher eingeübt, um sie den andern beizubringen. Der grosse Raum im Strassenkinderheim war weihnachtlich dekoriert. An einer Wand stand ein Tisch mit all den Geschenken vom Heartbeat. Auf einem zweiten Tisch stand ein Fernseher, um die Videos zu zeigen. Bila filmte alles mit dem Handy und schickte mir im Anschluss die Aufnahmen. Mir kamen die Tränen, als ich hundert klatschende und jubelnde Kinder sah, die zu unseren Liedern tanzten und sangen, und die im Anschluss mucksmäuschenstill auf dem Boden sassen und sich die Weihnachtsgeschichte anhörten. Was für eine unglaublich ergreifende Szene! Und das alles nur, weil ein kleiner Junge mich darum gebeten hatte, ein Video für die Kinder zu machen.


Ja, ein kleiner Stein, der ins Wasser fällt, reicht aus, um grosse Wellen zu schlagen. Eine kleine Bitte von einem Kind, und was ist daraus nicht alles entstanden! Um wieviel mehr wird Gott nicht auch dein Gebet erhören, wenn du ihn um etwas bittest und alle Hebel in Bewegung setzen, um deine Bitte zu erfüllen! Um wieviel mehr wird Gott nicht auch unsere Gebete erhören, wenn wir ihn für die Menschen in der Ukraine bitten! In Jakobus 5,10 steht: „Das Gebet eines gerechten Menschen hat große Macht und kann viel bewirken.“ 


Ich glaube daran, von ganzem Herzen.


Matth 7,7-11 »Bittet Gott, und er wird euch geben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet! Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet. Würde etwa jemand von euch seinem Kind einen Stein geben, wenn es um ein Stück Brot bittet? Oder eine Schlange, wenn es um einen Fisch bittet? Trotz all eurer Bosheit wisst ihr Menschen doch, was gut für eure Kinder ist, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes schenken, die ihn darum bitten!«


Mit Power & Love

Damaris Kofmehl