Ich bin einem Engel mit rotlackierten Fingernägeln begegnet!

Ein paar sehr persönliche Gedanken von mir

Kennst du das? Jemand hat dich so sehr verletzt, dass die Verletzung in dir einfach nicht mehr verheilen will. Wann immer du an diese Person denkst, wenn du nur schon ihren Namen hörst, verkrampft sich alles in dir und du könntest einfach nur schreien, weil es so weh tut. Du hast der Person ganz bewusst vergeben – du bist ja Christ! – aber dieses eiternde Geschwür in deinem Innern geht einfach nicht weg, egal, wie oft du Gott darum gebeten hast. Kennst du das? Ich kenne es. Ich habe es in der Vergangenheit schon mehrmals erlebt, und nach Demetris Tod am 21.Mai 2017 ist es wieder passiert, nur diesmal um ein hundertfaches verstärkt, so kam es mir vor.

Ohne in Details zu gehen: Es sind einige schlimme Sachen passiert unmittelbar nach Demetris Tod, die mit der Gemeinde zusammenhingen, die wir vier Monate zuvor übernommen hatten. Plötzlich stand ich komplett alleine da, ohne Rückhalt, ohne irgendwelche Unterstützung. Mit Ausnahme von einigen wenigen treuen Mitgliedern jener Gemeinde fühlte ich mich nach Demetris Tod plötzlich von allen verlassen, was letztlich auch dazu führte, dass ich die Gemeinde schließen musste. Natürlich, das ist meine Sicht der Dinge, aber so habe ich es tatsächlich erlebt und empfunden. Und es tat so weh, sooo unendlich weh, dass ich seit eineinhalb Jahren – und das ist kein Witz! – innerlich zusammenzucke, wenn ich im Radio das Wort „Volketswil“ höre. Alles in mir beginnt sich zusammenzuziehen und mein Puls klettert innerhalb von Sekunden auf hundertachtzig. NUR beim Wort „Volketswil“! Ist das zu fassen?

Die Wunde war so tief, dass ich echt dachte, sie wird nie wieder verheilen. Ich spürte eine Bitterkeit in mir hochkommen, gegen die ich kaum ankam, obwohl ich Gott unter Tränen darum bat, mich nicht bitter werden zu lassen. In meinem Herzen wusste ich sehr wohl, dass sich die Leute vielleicht gar nicht bewusst waren, wie sehr sie mich verletzt hatten. In meinem Herzen wusste ich auch sehr wohl, dass ich deswegen auch nicht einen Groll gegenüber der „Institution Gemeinde“ haben sollte. Und dennoch war dieser Groll einfach da, und ich brachte ihn nicht los. Ich unterdrückte ihn, ja. Das tat ich, in der Hoffnung, dass Gott die Wunde eines Tages heilen würde. Doch der Schmerz blieb. Ich kam nicht dagegen an. Keine Chance. Zuviel war geschehen. Einfach zuviel. Selbst jetzt noch, wenn ich diese Zeilen schreibe, spüre ich, wie meine Finger dabei zittern und meine Hände eisig kalt werden. Doch nicht mehr so wie noch vor ein paar Wochen. Denn etwas ist passiert. Etwas Unglaubliches ist passiert: Ich bin nämlich einem Engel mit rotlackierten Fingernägeln begegnet!!! Aber eines nach dem andern.

Seit dem Tod von Demetri hab ich keinen Fuß mehr in eine Gemeinde gesetzt. Ich konnte einfach nicht. Alles in mir sträubte sich dagegen. Zuviel war in mir zerbrochen. Es war ehrlich gesagt wie ein Trauma, das ich hatte, und das ich wohlgemerkt nicht wegen Demetris Tod hatte (das ist echt verrückt, wenn man sich das mal so überlegt!) sondern wegen der schrecklichen Vorfälle in der Gemeinde, die aufgrund seines Todes ausgelöst wurden. Vor zwei Wochen lud mich meine Patentochter in ihre Gemeinde ein. Ich ging hin, ohne mir etwas dabei zu denken. Und dann geschah es, im Bruchteil einer Sekunde. Kaum hatte ich den Fuß über die Schwelle dieser Gemeinde gesetzt, verkrampfte sich mein ganzes Inneres. Ich konnte kaum noch atmen. Der Gottesdienst begann. Alles war, wie es sein sollte. Worship, Predigt. Alles wunderbar! Nur in mir drin kochte und brodelte es, und ich musste mich dazu zwingen, sitzenzubleiben, obwohl alles in mir drin danach schrie, den Saal auf der Stelle zu verlassen. Da erst wurde mir bewusst, wie vereitert die Wunde in mir noch war. Ich bin jetzt einfach ganz ehrlich: Ich spürte einen Hass in mir aufsteigen gegenüber… Christen! Dabei bin ich doch selber Christ! Und keiner, der auf der Bühne stand, hatte mir irgendetwas getan! Und ich war doch in einem Gotteshaus, einem Ort, wo ich mich als Christ wohlfühlen sollte! Und dennoch hielt ich es kaum aus! Und mir dessen bewusst zu sein, was da grad in mir abging, machte das Ganze noch schlimmer! Wie kann ich überhaupt so fühlen, als Christ?! Und als jemand, der demnächst in Gemeinden auf Tournee geht?!!! Wie krank ist das denn?!!!

Nach diesem Erlebnis wusste ich drei Dinge mit absoluter Sicherheit: 1. Ich will nicht so fühlen. Ich will nicht bitter bleiben. 2. Der einzige Weg, mich mit den Geschehnissen zu versöhnen, ist, mich meinem Schmerz zu stellen. Oder die Wunde wird immer weiter eitern. 3. Diese Heilung ist eine Sache, die kann ich selbst nicht bewirken. Ich wüsste nicht wie. Diese Heilung MUSS Gott tun. Nur er kann es tun! Niemand sonst. Ich kann mich entscheiden, einen Schritt in die richtige Richtung zu machen, aber den Rest muss ER tun.

Und noch etwas anderes war mir klar: Je länger ich diesen Schritt hinauszögere, desto mehr Überwindung wird er mich kosten. Außerdem geh ich in einer Woche auf Tournee und trete in 13 Gemeinden auf. Es wäre echt schön, ich würde diese innere Zerrissenheit nicht mit auf Tournee nehmen und könnte sie vorher Gott abgeben, dachte ich.

Als ich 2010 für eine Buchrecherche nach Sydney, Australien gereist bin, hab ich dort die Hillsong Church besucht, von der ich schwer begeistert war. Ich hab mich so Willkommen gefühlt, so wertgeschätzt, und das wohlgemerkt in einer Gemeinde, die 1000 Gottesdienstbesucher hatte! Als ich vor zwei Jahren hörte, dass es nun auch in Zürich eine Hillsong Church gibt, dachte ich sofort: da muss ich unbedingt mal hin! Wie gesagt, nach allem, was geschehen war, fiel es mir unglaublich schwer, mich überhaupt wieder aufzumachen, um irgendeinen Gottesdienst zu besuchen. Aber ich sagte mir, WENN ich es wieder wagen sollte, dann bei der Hillsong in Zürich. Tja, und letzten Sonntag, am 21. Okober 2018, exakt ein Jahr und fünf Monate nach Demetris Tod, wagte ich den Schritt. Es kostete mich unglaubliche Überwindung, das könnt ihr mir glauben. Ich fand tausend Ausreden, um zu Hause zu bleiben. Und als ich dann endlich im Auto saß, wollte ich an jeder Kreuzung wieder umkehren. Je näher ich der Stadt kam, desto näher waren mir die Tränen. Ich riss mich zusammen, um nicht loszuheulen. Und dann sagt ich Gott: „Okay, Herr, ich mach das jetzt! Und wenn ich dort Rotz und Wasser heule während dem ganzen Gottesdienst. Kennt mich ja eh keiner. Ich schleich mich einfach hinten rein, bleib ganz anonym und schleich mich danach wieder unbemerkt raus. Den Rest überlass ich dir.“

Punkt 17 Uhr betrat ich die Hillsong Church, war kaum zwei Schritte gekommen, als hinter mir jemand rief: „Hey, Damaris! Ist das schön, dass du da bist!“ Tja, soviel zu meiner Anonymität… aber irgendwie war ich total erleichtert, jemanden zu kennen. Es war Nathanael, den ich aus der Hillsong in Sydney kannte, der aber jetzt in Zürich lebt. Und wie damals in Sydney fühlte ich mich auch hier gleich Willkommen.

Der Gottesdienst begann, und kaum erklang der erste Worshipsong, liefen mir die Tränen nur so runter. Ich war echt froh, dass es ziemlich dunkel war. Alles kam in mir hoch, der ganze Schmerz, aber auch meine Not, dass ich diese Bitterkeit in mir endlich loslassen und wieder frei sein wollte. Ich ging in die Knie, und während des gesamten Worships war ich einfach nur am Boden, am Weinen, legte alles vor Gott hin und bat ihn, mein Herz zu heilen und mich zu gebrauchen, so wie er es wollte. Demetri hatte dieses Gebet immer gebetet, und nun betete ich es: „Gebrauche mich, Herr, gebrauche mich, gebrauche mich!!!“

Als der Worship vorbei war und ich wieder aufstand, sollte man jemandem die Hand schütteln, den man noch nicht kennt. Vor mir saß der Pastor – was ich nicht wusste – und er drehte sich zu mir und sagte gleich: „Hey, du bist doch Damaris Kofmehl! Ich hab als Teenager all deine Bücher gelesen!“ Ich wollte doch eigentlich unbemerkt bleiben… Ach Gott, ich geb´s auf!

Der Gottesdienst plätscherte an mir vorbei. Und ich fühlte, wie in mir bereits viel mehr Ruhe war. So eine tiefe Geborgenheit. Das tat echt gut. Es tat echt gut, in einem Gottesdienst zu sein und mich wohl zu fühlen! Nicht in Panik zu geraten und am liebsten rausrennen wollen. Ich fühlte mich wirklich wohl hier, angenommen, zu Hause. Das war stark. Aber es kam noch besser. Als der Gottesdienst vorbei war und ich mich von Nathanael verabschiedete, um mich – wie geplant –ganz unbemerkt hinten rauszuschleichen, winkte mir jemand ganz aufgeregt zu. Tja, und jetzt kommt die Sache mit dem Engel: Ganz ehrlich, ich begegnete einem Engel mit rotlackierten Fingernägeln! Anders kann ich es nicht beschreiben.

Es war eine Frau, die ich nicht kannte. Aber sie sagte, sie würde mich kennen, sie wäre sogar mal in Volketswil an einem Gottesdienst gewesen. Und sie freute sich so, mich wiederzusehen. „Bist du zum ersten Mal hier?“ „Um ehrlich zu sein, dies ist der erste Gottesdienst, den ich seit Demetris Tod besuche“, sagte ich ihr, und da liefen mir auch schon wieder die Tränen runter. Sie schloss mich in die Arme und weinte mit mir. Sie weinte wirklich mit mir! Dann gab sie mir ein Taschentuch, nahm sich selbst eins, und wir setzten uns mit Tränen im Gesicht. Und sie begann einfach zu reden und mir so unendlich viele unglaublich schöne Dinge zu sagen, die sie über mir sehe, dass ich einfach sprachlos war. Ihre Worte waren wie Balsam für meine Seele. Es war wirklich, als würde Gott selbst mich trösten und aufbauen. Jetzt heulte ich wirklich Rotz und Wasser und sagte nur immer wieder: „Du hast ja keine Ahnung, was du da sagst.“ Ich wusste nicht mal ihren Namen, aber in der nächsten Viertelstunde, als sie über mir prophezeite und für mich betete, ist so ein Schub von Heilung und Befreiung in mich hineingeströmt, es lässt sich kaum beschreiben.

Tja, als ich mich dann von ihr verabschiedete und mich nun wirklich endlich unbemerkt hinausschleichen wollte – jetzt mit rotverweinten Augen! – da kam gleich noch einer strahlend auf mich zu: „Oh Mann, du bist doch Damaris Kofmehl! Ich fass es nicht, dass du hier bist!“. Nun, irgendwie kam ich dann doch noch weg, erschlagen von allem, was geschehen war. Und während der ganzen Autofahrt nach Hause weinte ich, überwältigt, wie Gott mir einen Engel mit rotlackierten Fingernägeln über den Weg geschickt hat, um die Last mit mir zu teilen, mit mir zu weinen und mein Herz zu erleichtern. Ist das nicht der absolute Wahnsinn?! Und um dem Ganzen noch eins draufzusetzen, lief im Radio gerade der Song von Charlie Puth „One call away“. Gott hat echt Humor! Und ich lachte und weinte und dankte ihm für das, was er heute in mir getan hatte.

Ich bin noch lange nicht am Ziel, was diese ganze Sache angeht. Diese innere Heilung wird nicht von heute auf morgen geschehen, vielleicht sogar Jahre dauern. Aber ich bin so froh, dass Gott die Wurzel meiner Bitterkeit an diesem Sonntagnachmittag herausgerissen hat. Er hat die Wunde gereinigt, desinfiziert und neu verbunden. Und ich weiß, nun wird sie heilen. Egal, wie lange es noch dauert, sie wird ganz verheilen.

Und wenn auch du eine ähnliche Wunde hast, dann möchte ich dir Mut machen. Alles, was Gott von dir möchte, ist deine Entscheidung, dein Wille, ihm, dem Arzt aller Ärzte, deine Wunde zu zeigen. Und ich glaube ganz fest daran, dass ER den Rest machen wird. Und vielleicht, vielleicht schickt er auch dir während deinem Heilungsprozess einen Engel über den Weg, vielleicht keinen mit rotlackierten Fingernägeln, dafür mit einer Jogginghose oder Schlips und Krawatte oder Stricknadeln. Man kann nie wissen!

Wie ich schon sagte, in einer Woche geht die Tournee mit dem Ex-Hooligan los. Ich freue mich total drauf, und gleichzeitig werde ich von Tag zu Tag melancholischer. Dies ist die erste Tournee ohne Demetri, und ich glaube, alles, was „das erste Mal ohne Demetri“ ist, ist besonders schwer. Ich bin daher total froh, wenn so viele wie möglich für mich beten können während dieser Zeit.  Tourneezeit ist sowieso immer auch Angriffszeit vom Teufel, weil er weiß, wieviel Segen fließen wird. Und diesmal kommen wie gesagt noch einige andere Schwierigkeiten dazu, die nicht ganz ohne sind. Darum DANKE für dein Gebet!

Und zum Schluss noch das Lied von Charlie Puth, das – so kam es mir auf der Heimfahrt von der Hillsong Church vor – nicht Charlie Puth sondern Gott selbst im Radio für mich gesungen hat! Auch wenn Charlie Puth beim Schreiben dieses Songs vielleicht nicht an Gott gedacht hat, jedes einzelne Wort trifft auf Jesus zu! Er ist nur einen Anruf, ein Gebet von dir entfernt! Und er wird deinen Tag retten, so wie er meinen gerettet hat! In diesem Sinne wünsche ich dir eine absolut hammermässig gesegnete Woche! Gott mit dir!

Mit Power & Love

Damaris Kofmehl

„One Call Away“

Ich bin nur einen Anruf entfernt.

Ich werde da sein, um den Tag zu retten.

Superman ist nichts im Vergleich zu mir.

Ich bin nur einen Anruf entfernt.

 

Ruf mich an Baby, wenn du einen Freund brauchst.

Ich will dir nur Liebe geben.

Ich versuche, zu dir durchzudringen. Also ergreif die Chance.

Egal, wohin du gehst,

du weißt, du bist nicht allein.

 

Ich bin nur einen Anruf entfernt.

Ich werde da sein, um den Tag zu retten.

Superman ist nichts im Vergleich zu mir.

Ich bin nur einen Anruf entfernt.

 

Komm mit mir und hab keine Angst.

Ich will dich nur befreien.

du und ich, wir können es überall schaffen.

Doch jetzt bleiben wir für eine Weile hier,

denn du weißt, ich möchte dich nur lachen sehen.

Egal, wohin du gehst,

du weißt, du bist nicht allein.

 

Ich bin nur einen Anruf entfernt

Ich werde da sein, um den Tag zu retten.

Superman ist nichts im Vergleich zu mir.

Ich bin nur einen Anruf entfernt.

 

Und wenn du schwach bist, so bin ich stark.

Ich werde dich nicht loslassen.

Und mach dir keine Sorgen, es wird nicht lange dauern.

Liebling, und wenn du spürst, dass die Hoffnung schwindet,

dann wirf dich einfach in meine Arme.

 

Ich bin nur einen Anruf entfernt.

Ich werde da sein, um den Tag zu retten.

Superman ist nichts im Vergleich zu mir.

Ich bin nur einen, ich bin nur einen Anruf entfernt.

 

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