Ein Jahr ohne Demetri

Nun ist es ein Jahr her, seitdem mein geliebter Ehemann und bester Freund Demetri Betts überraschend gestorben ist. Schon die ganze Woche grüble ich darüber nach, was ich zu seinem Todestag schreiben soll. Es ist so schwierig, in Worte zu fassen, was das vergangene Jahr in mir abgegangen ist. Ich vermisse ihn. Natürlich vermisse ich ihn. Er war mein bester, mein allerbester Freund. Und noch viel mehr als das. Ich habe kürzlich ein Lied gehört, wo jemand singt: „Ich mag mich besser, wenn ich mit dir zusammen bin.“ Ich verstehe so gut, was er meint. An Demetris Seite gewesen zu sein, hat mich zu einem besseren Menschen gemacht. Und das meine ich wirklich so. Er hat immer das Beste in mir gesehen und das Beste aus mir herausgeholt. Er hat mich herausgefordert, er hat mich angetrieben. Manchmal kam er zu mir und begann einfach draufloszupredigen über irgendetwas, das ihn beschäftigte, und dann nach ein paar Minuten sagte er plötzlich: „Ups, sorry, ich wollte ja gar nicht predigen.“ Aber wenn ihm etwas auf dem Herzen brannte, ist es ihm einfach rausgerutscht.

Ich habe nie einen ehrlicheren Menschen getroffen wie ihn. Jemand, dem es wirklich nicht egal war, wenn andere leiden. Jemand, der trotz all seiner eigenen Probleme, die manchmal schwer auf ihm lasteten, bereit war, sich an andere zu verschenken, und zwar radikal. Er hätte seinen letztes Hemd hergegeben, und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Das allerwichtigste war ihm immer, dass andere von diesem Jesus erfahren, der ihn gerettet hatte. Er setzte keine Masken auf. Er war echt. Er konnte auf der Bühne die grösste Show abziehen, aber wenn es danach um den Kern ging, um die Botschaft von Jesus Christus, dann war er nie zu stolz dafür, den Zuschauern jemanden zu zeigen, der genauso war wie sie, zerbrochen, unperfekt, abhängig einzig und allein von Gottes Gnade. Ich weiß jetzt noch, wie er einmal auf der Bühne stand und alles Bling-bling an sich zeigte und sagte: „Das ist alles nicht echt!“ Und dann riss er sich seine Perrücke vom Kopf und rief: „Die sind auch nicht echt!“ Und er fiel auf die Knie und deutete auf sein Herz und sagte: „Das hier ist echt!“

Es war ihm egal, was andere von ihm dachten. Es war ihm egal, wenn Menschen schlecht über ihn redeten. Und das taten sie. Weil er so schräg war, so anders, so radikal, weil man ihn in keine Schublade stecken konnte, weil er alles immer anders machte, als „man“ es eben so macht.

Sein Gebet war es immer: „Herr, gebrauche mich, um die Welt zu verändern.“ Ganz ehrlich, ich glaube, Gott hat dieses Gebet erhört. Ich sehe es in all den Menschen, deren Leben sich verändert haben. Ich sehe es bei denen, die früher keine Hoffnung mehr hatten und durch Demetri gelernt haben, wieder aufzustehen und zu kämpfen und niemals aufzugeben. Demetri hatte immer ein Ohr für Verzweifelte. Egal, ob es drei Uhr in der Nacht war. Jeder konnte ihm schreiben, und jedem hat er geantwortet und versucht, ihm wieder Mut zu machen. Und er hatte eine unglaubliche Geduld. Egal, ob sich jemand über Jahre hinweg scheinbar nie veränderte oder immer und immer wieder mit demselben Problemen zu ihm kam, er hat die Hoffnung nie aufgegeben, hat nie gedrängt, hat nie verurteilt, hat einfach nur geliebt und es Gott überlassen, die Person auf seine Weise und in seiner Zeit zu berühren und zu verändern.

Ohne Demetri wäre ich heute nicht, wer ich bin. Ich war vorher immer sehr darauf bedacht, allen alles recht zu machen. Es war mir sehr wichtig, was die Leute von mir denken. Aber durch Demetri wurde ich zwangsläufig damit konfrontiert, dass wir oft aus der Reihe tanzten und von vielen hinterfragt, manchmal auch öffentlich angegriffen wurden. Das war taff, aber es hat mir den Mut gegeben, mich nicht mehr auf Menschen auszurichten sondern ganz auf Gott. Den Mut, Schritte zu wagen, die ich vorher niemals gewagt hätte. Den Mut, aufzustehen und hinzustehen für Anliegen, die ich mich früher niemals getraut hätte, auch nur ansatzweise anzusprechen.

Was ich stark vermisse, ist seine unglaubliche Antriebskraft. Wir haben uns gegenseitig angetrieben und inspiriert. Und jetzt muss ich das irgendwie selbst tun, was manchmal gar nicht so leicht ist. Es ist leichter, jemandem zu folgen, der dich einfach mitreisst, als selbst diejenige zu sein, die etwas anreisst und andere mitreisst. Was mich schmerzt, ist zu sehen, dass es gewisse Bereiche gibt, wo ich einfach nicht mehr abdecken kann, was er getan hat. Er hinterlässt einfach eine so grosse Lücke für so viele Menschen. Ein paar dieser Lücken habe ich füllen können, viele nicht. Und das tut mir manchmal extrem weh.

Ich werde Demetri nie ersetzen können. Ich weiß, ich muss das auch nicht, noch könnte ich es. Niemand kann das. Warum Gott ihn so früh zu sich geholt hat, bleibt uns allen ein Rätsel. Aber die Samen, die Demetri in die Herzen von so vielen Menschen gestreut hat, gehen auf. Einige sind es schon, andere sind gerade dabei aufzugehen und wieder andere werden vielleicht erst in vielen Jahren aufgehen. Was mir bleibt, ist eine tiefe Dankbarkeit, dass Gott mir einen Mann wie Demetri gegeben hat, dass ich fünfzehn Jahre lang an seiner Seite sein durfte, mit ihm lachen und weinen und mit ihm zusammen Menschen für Jesus gewinnen durfte.

Ich wünsche mir, dass alles, was er in Menschen investiert hat, nicht vergebens war. Ich wünsche mir, dass das, was er gegeben hat, bei vielen zu einer inneren Antriebskraft wird, um selbst aufzustehen, um selbst zu beginnen, sich für andere einzusetzen, sie zu lieben und zu ermutigen, niemals aufzugeben. Demetri war ein aussergewöhnlicher Mensch, der aussergewöhnlichste, den ich in meinem ganzen Leben gekannt habe. Und ich wünsche mir, dass seine Botschaft, niemanden zu verurteilen und die Menschen einfach so zu lieben, wie Jesus es getan hat, nämlich bedingungslos, durch mich und durch alle, die Demetri gekannt haben, weiterlebt.

Damaris

 

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